Porträt & Reportagen

 

Friedemann Bühler
Die Kunst der Reduktion

 

Form, Farbe und Struktur, mehr brauchen die filigranen Objekte von Friedemann Bühler nicht, um ihren besonderen Reiz zu entfalten. Viele seiner Schalen aus Esche spiegeln in ihrer Oberfläche die Struktur eines gerade überspülten Strandes wider. Die Gefäße aus Eiche hingegen scheinen mit ihren variationsreichen Strukturen frisch aus dem Wattenmeer geformt zu sein. Eins haben sie aber alle gemein, die Holzobjekte des 48-jährigen Langenburgers. Sie sind monochrom, das typische braunbeige Farbspiel des Holzes verbleicht meist hinter satten roten, kohlrabenschwarzen oder weißen Farbpigmenten. Abstrahiert auf das Auf und Ab der Strukturen mit seinen weichen Linienführungen, auf die monochrome Farbe und die äußere Form. Dabei sind sie fast so dünn und filigran wie Papier oder hauchzartes Porzellan. Drei bis fünf Millimeter beträgt die Wandstärke bei bis zu 60 Zentimeter Objektdurchmesser.

Das, was die Natur in vielen Jahrzehnten hervorbringt, legt Bühler in Kräfte zehrender Arbeit auf seiner Drechselbank frei. Er reduziert es auf seine Seele, auf einen kleinen Querschnitt des Baumes, beschränkt sich auf die Variationen des vermeintlich immer gleichen. Gerne wandern die Finger über den zerfurchten Rand einer Eschenschale oder streicheln die lederartig anmutende Oberfläche eines Eichengefäßes. Eine Schale hat glatt zu sein, diese Maxime gilt nicht für die meisten Arbeiten des Holzgestalters Friedemann Bühler. Generationen von Drechslern schliffen sich die Finger nach einer glatten, makellosen Oberfläche wund. Nicht so Bühler. Er eliminiert weiche Holzteile, arbeitet die härteren Teile somit erhaben heraus. Verdeckt nicht mit Farbe, sondern öffnet den Blick für das Wesentliche, reduziert auf die Trilogie Form, Farbe und Struktur.

 

 

Der Weg zu dieser Abstraktion ist komplex, es braucht genaue Kenntnisse über die Eigenschaften des Holzes. Friedemann Bühler gewann sie schon als Land- und Forstwirt. Begeistert durch die Vielfalt des Holzes und bedingt durch einen Arbeitsunfall fand er die Zeit und besuchte einen Drechselkurs. Mehr Intuition brauchte der gebürtige Stuttgarter nicht. Den Rest macht er als Autodidakt. Geschult durch die immer wiederkehrenden Arbeitsschritte schafft der Künstler die  Gratwanderung von der Variationsvielfalt der Materie Holz zum scheinbar zufällig gewachsenen Kunstobjekt. Schon im Wald wählt er mit Bedacht das Material aus, in weiser Voraussicht auf den kommenden Schaffensprozess. Das frische Holz wird sofort weiter verarbeitet. Es gilt die markante Maserung aus den bis zu 150 kg schweren Rohlingen herauszuarbeiten. Nach dem Drechseln der äußeren Form auf einer schweren Geiger Modellbauerdrehbank, wird der Rohling immer wieder gewässert. Das so getränkte und weiche Holz dreht er auf einer VB 36 zu den hauchdünnen Hohlkörpern aus.

 

Sie möchten weiterlesen?

In DrechslerMagazin Ausgabe 28 / Herbst 2014 finden Sie das komplette Porträt und viele weitere Fotos.

 

Zurück zu PORTRÄT & REPORTAGEN