Porträt & Reportagen


Alan Carter
Vom Künstler zum Künstler


Alan Carter wurde im vergangenen April 67 Jahre alt und dennoch ist er einer der Newcomer in der internationalen Drechselszene. Erst im Jahr 2009 kam er zur Drechslerei, seine Arbeiten werden jedoch in den USA schon in mehreren namhaften Galerien angeboten und bereits 2011 demonstrierte er seine Techniken während des weltweit größten Drechselsymposions, welches der amerikanische Drechslerverband „American Association of Woodturners“ (AAW) jährlich veranstaltet.  Im selben Jahr wurde Alan auch erstmalig von verschiedenen regionalen Drechselclubs zu Vorführungen gebucht und seither reist er durch ganz Amerika oder, wie im Jahr 2012, nach Neuseeland, um sein Wissen mit anderen begeisterten Drechslern zu teilen. Ein Senkrechtstarter, der es geschafft hat, in nicht einmal fünf Jahren seine skulpturale Drechselkunst in der Szene zu etablieren.

Doch beginnen wir ganz von vorne. Alan Carter, 1946 in Lafayette im US-Bundesstaat Indiana geboren, wuchs in Connersville (Indiana) und in Rochester (New York) auf. Als Schüler der Eastman School of Music in Rochester entwickelte er ein starkes Interesse an Jazz und klassischer Musik. So besuchte er anschließend die Indiana University School of Music im Hauptfach Bassposaune und schloss das Studium 1969 erfolgreich ab. Frisch verheiratet und als werdender Vater gestaltete sich der Familienunterhalt mit einem Beruf als Musiker schwierig bis aussichtslos und so nahm Alan einen Hausmeisterjob bei einer großen Handelskette an. So weit von der Musik entfernt, wie man es sich nur vorstellen kann. Seine künstlerische Ader entdeckte er jedoch neu in der Malerei. Anfangs noch als Freizeitbeschäftigung entwickelte er seinen Stil ambitioniert weiter und wurde 1977 von Familie und Arbeitskollegen ermutigt, die Malerei als Hauptlebenserwerb fortzuführen. Er schuf in 22 Jahren als professioneller Kunstmaler unzählige urbane Landschaften in einem einzigartigen fotorealistischen Stil. Straßenszenen und Hausecken alter Stadtviertel waren sein Thema. Dreidimensionale Illusionen auf zweidimensionaler Leinwand. In diesen über zwei Jahrzehnten lernte er viel über Form, Aufbau, technische Umsetzung und die emotionale Wirkung eines Kunstwerks. Im Laufe der Jahre stellte er in vielen renommierten Kunstausstellungen aus, gewann mehrere Auszeichnungen und verkaufte seine Werke in zahlreiche private und öffentliche Sammlungen in ganz USA.

Kurz vor dem Jahrtausendwechsel hatte Alan Carter in seiner Malerei eine Schaffenskrise. Die kreative Leidenschaft forderte eine Veränderung und so machte er 1999 die Holzverarbeitung zu seinem Beruf.