Praxis


Seeigel-Dose
Werkbericht von Jan Hovens
 

In der DrechslerMagazin Ausgabe 13 / Winter 2010 wurden bereits Seeigel als Dekoanhänger und Weihnachtsschmuck vorgestellt. Auch von verschiedenen Drechslern hatte ich schon Arbeiten mit diesen Seeigelgehäusen gesehen. Die meisten hatten ebenfalls Weihnachtsschmuck hergestellt. Eine Ausnahme entdeckte ich bei der amerikanischen Drechslerin Cindy Drozda. Sie fertigte auch Objekte in Form von Teekannen aus den Seeigelgehäusen. Da ich mich weniger für Weihnachten, jedoch umso mehr für Dosen begeistere, hatte ich schon länger die Idee, einen Seeigel dafür zu verwenden. Ich hätte auch ein skulpturales Objekt drechseln können, jedoch finde ich, dass meine Arbeiten einen gewissen Gebrauchswert besitzen müssen. So sollte auch in meinen Dosen etwas aufbewahrt werden können und selbstverständlich wird der Deckel einen Gewindeverschluss bekommen. Seeigel findet man in allen großen Meeren der Erde. Sie sind sehr farbenreich, von grün über oliv, braun, purpur bis rot. Es gibt sie in Durchmessern von drei bis zu zwölf Zentimetern und sie werden in Dekogeschäften oder von Händlern (z. B. www.nadeco.de) angeboten. Für meine Dose habe ich ein sogenanntes Sputnik-Seeigelgehäuse ausgewählt. Die Löcher bei diesem Sputnik-Gehäuse waren bereits beide fast exakt rund. Dies hatte den Vorteil, dass ich wenig daran schleifen musste, um eine gute Passung zwischen Holz und Schale zu bekommen. Für das Nacharbeiten der Löcher verwende ich eine Schleifpapierhülse in einem Stabschleifer (z. B. Proxxon oder Dremel). Die Dose ist mit dem Seeigelgehäuse durch ein Holzgewinde verschraubt, da diese Hohlform sehr dünnwandig ist und ich daran zweifle, nur mit Kleber hier eine wirklich gute Verbindung zu erzielen. Alternativ könnte man aber auch die Holzteile miteinander verleimen, um das Gehäuse dazwischen zu fixieren.

 

Für einen Kontrast zum hellfarbigen Seeigel hatte ich mir eine dunkle Holzart vorgestellt. Ein Amerikanischer Nussbaum sollte es sein, aber leider hatte ich nichts Geeignetes mehr in meinem Lager. Plan B war geräucherte Robinie (Anleitung DrechslerMagazin Ausgabe 15). Um einen ausreichend dunklen Farbton des trockenen Holzes zu erzielen, brauchte der Amoniak 36 Stunden in einem geschlossenen Eimer. Dies war jedoch in einer Jahreszeit, in der die Temperatur in meiner Werkstatt im Schnitt nur 10 Grad beträgt. Robinie ist nicht das geeignetste Holz, um Gewinde zu strählen. Es hat wie die Eiche sehr grobe Poren. Durch diese Poren bricht das Gewinde beim Strählen sehr schnell aus. Ich hatte jedoch einen Ast, der scheinbar sehr langsam gewachsen war und daher sehr enge Jahresringe aufwies. Mit großer Sorgfalt und Sonnenblumenöl, um das Holz etwas geschmeidiger zu machen, wurde dann ein gutes Gewinde möglich. Alles in allem war die Seeigeldose eine aufwändige Arbeit, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht und Anregung gegeben, diese Methode auch mit anderen Naturmaterialien anzuwenden. Einige Ideen habe ich bereits.