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ViD-Tools
im Test

 

In den meisten Drechselwerkstätten werden heute Drechselwerkzeuge aus Schnellarbeitsstahl, dem sogenannten HSS (High Speed Steel) eingesetzt. Diese legierten Werkzeugstähle sind mittlerweile bei den meisten Herstellern als Standard zu erhalten und abgesehen von Form, Verarbeitung und Ausführung vergleichbar und von sehr guter Qualität. Vorausgesetzt, die Stähle wurden richtig verarbeitet, sind Unterschiede in Standzeit und Schärfe nicht relevant. In den vergangenen Jahren hat die Stahlindustrie immer neue Verfahren entwickelt, um Stähle mit extrem hohen Legierungsanteilen und damit deutlich verbesserten Eigenschaften gegenüber Standard-HSS herzustellen. Einer der Pioniere, der solche pulvermetallurgischen Stähle für Drechselwerkzeuge bereits in den 80er Jahren verwendete, war Jerry Glaser in Kalifornien/USA. Ab Mitte der 90er Jahre wurden Schalendrehröhren der amerikanischen Werkzeugmanufaktur von der Drechselstube Neckarsteinach auch in Deutschland angeboten. Die Vorzüge in Schärfe, Standzeit und auch des ungewöhnlichen, mit Bleischrot gefüllten Hefts für eine schwingungsärmere Werkzeugführung ließen die Nachfrage so weit steigen, dass es in den darauffolgenden Jahren immer wieder zu Lieferengpässen kam. 2008 begann Martin Weinbrecht mit seinem Team und dem australischen Werkzeug- und Maschinenhersteller Vicmarc, dieses Werkzeugkonzept weiterzuentwickeln. Zum Jahresbeginn 2012 wurden dann die neuen ViD-Tools in den unterschiedlichen Ausführungen und Zubehörteilen vorgestellt und jetzt unter anderem auch in unserer Werkstatt getestet.

 

Der Stahl

ViD-Tools sind als Röhren in den Stärken 10, 13, 16 und 19 mm erhältlich und aus einem PM-Stahl mit der Bezeichnung Vanadis 10 gefertigt. Vanadis 10 wird hauptsächlich zur Herstellung von Werkzeugen für sehr lange Produktionsserien bei abrasiver Verschleißwirkung verwendet und schon länger z. B. in der papierverarbeitenden Industrie eingesetzt. Dort werden Angaben mit der 6- bis 10-fachen Standzeit gegenüber einfachem Werkzeugstahl genannt. HSS wird im Vergleich mit einer 2- bis 3-fachen Standzeit angegeben. Ob sich auch bei Drechselwerkzeugen ein so deutlicher Unterschied darstellen lässt, wird sich in verschiedenen Projekten nachfolgend zeigen.

 

Neben den unterschiedlichen Durchmessern der Röhren kann man beim Kauf auch aus zwei Anschliffarten wählen. Erhältlich sind die Röhren mit einem „geraden“ 55-Grad-Grundschliff, wie sie die meisten Hersteller bieten, und dem sogenannten Celtic-Grind-Anschliff, also mit seitlich nach hinten geschliffenen Flanken. Dadurch ist die Röhre sofort einsatzbereit und auch unsere Testwerkzeuge sind bereits mit diesem wohl mittlerweile in den meisten Werkstätten verbreiteten Schalenröhrenanschliff ausgestattet. Die Länge der Werkzeugstähle beträgt je nach Durchmesser zwischen 240 mm und 300 mm. Ein besonderes Augenmerk gilt jedoch den 120 mm bis 165 mm langen Ausfräsungen. Diese sind nicht wie bei früheren Jerry-Glaser-Werkzeugen v-förmig mit steil abfallenden Seiten und einem sehr schmalen Grund, sondern in einer weiten parabolischen Form ausgefräst. Dies hat den klaren Vorteil, dass die seitlichen Flanken nicht zu aggressiv sind, sondern hier ebenfalls ein ziehender Schnitt möglich ist. Grobes Vorschruppen und feinste finale Schnitte sind ebenso möglich wie ein hohes Maß an Sicherheit.