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Drechslerstammtisch
Jubiläum an der Westküste mit Holger Graf


Im September trafen sich Drechsler aus dem hohen Norden Deutschlands, um zwei Tage miteinander fachzusimpeln und bei der Gelegenheit einem professionellen Drechslermeister bei der Arbeit an der Drehbank über die Schulter zu schauen. Diese Veranstaltung war beispielhaft für eine wünschenswerte Entwicklung der deutschsprachigen Drechselszene, von der Amateure und Profis gleichermaßen profitieren konnten. Lesen Sie hier die Erfahrungen des Drechslerstammtischs Westküste - SH.

Nach 5 Jahren internen Wirkens hatten wir uns entschlossen, uns mit einer Jubiläumsveranstaltung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir wollten mit einzelnen Mitgliedern unsere Arbeit vorstellen, aber auch mit einem bekannten Drechsler für unsere Gäste und für uns ein Highlight präsentieren. Letzteres war durch eine Zusage für Vorführungen von Holger Graf möglich. Außerdem fanden sich sechs Mitglieder bereit, etwas von ihren Arbeiten an der Drechselbank zu zeigen und der Holzkünstler Heiko Ehlert sagte ebenfalls seine Beteiligung zu. Zusätzlich war Werner Wolfrum (Fa. Maderas Drechseltechnik) bereit, mit einem Verkaufsstand das Treffen zu begleiten und außerdem eine große Drechselbank für die Vorführungen von Holger Graf zur Verfügung zu stellen. Ort der Veranstaltung war dann das Betriebsgelände der Firma Holz-Schorisch in Wesseln, mit denen wir von Anfang freundschaftlich verbunden sind.

In der für die Veranstaltung hergerichteten Halle war die große Drechselbank platziert und zusätzlich Video- und Tonequipment installiert. Damit konnten die Vorführungen von allen Besuchern von den davor aufgestellten Sitzbänken verfolgt werden. Des Weiteren waren sechs Arbeitsinseln aufgebaut worden, an denen die vorführenden Stammtischmitglieder arbeiteten. Nach einer kurzen Begrüßung durch Randolf und die Hausherrin Frau Möller-Gross begann Holger Graf mit seiner ersten Demonstration, dem Ausdrehen eines Hohlgefäßes. Er hatte dazu ein frisches Stück Kirschholz auf die Bank gespannt und erläuterte seine einzelnen Arbeitsschritte, die dann in sicherer und gekonnter Weise ausgeführt wurden. Über die einzelnen Arbeitsschritte hinaus ging er aber auch auf den Faserverlauf im Holz und die dafür erforderlichen Schnitttechniken ein. Dabei erläuterte er die Handhabung verschiedener Ausdrehwerkzeuge, führte dies entsprechend vor und letztendlich wurden auch Bearbeitungsfehler und deren Vermeidung besprochen. Auf Fragen aus dem Publikum ging Holger Graf sehr gerne ein, so wie die nach der Umdrehungsgeschwindigkeit beim Drechseln oder Methoden der Trocknung eines aus frischem Holz gedrechselten Hohlgefäßes.

Nachdem die gewünschte Tiefe des Gefäßes erreicht war, wurde die äußere Form herausgearbeitet und das Gefäß abgestochen. Der auf der Planscheibe verbliebene Rohling diente dann als Hilfsfutter für die restliche Bearbeitung der Außenseite des Gefäßes. An der Außenform des Objekts wurde dann noch eine Spiralstruktur demonstriert. Dies alles wurde bis zum Schluss mit klaren und eingängigen Erläuterungen begleitet, so dass es nicht nur für Neulinge, sondern für alle Zuhörer eine interessante Lehrstunde war, aus der jeder etwas mitnehmen konnte.

Nach der Vorführung von Holger Graf waren die Arbeitsinseln besetzt, an denen die Mitglieder des Stammtisches einen kleinen Ausschnitt ihrer Arbeiten und deren Herstellungstechniken zeigten. Es waren dies die Herstellung von Druckstöcken und von Fingerringen. Es wurden Objekte mit einer entsprechenden Einrichtung kopiert, Ringe für die Aufnahme von Achatscheiben und verschiedene Kreisel hergestellt. Eine Besonderheit war die selten gezeigte Technik des Passigdrehens und das Fräsen von Spiralen und auch das freihändige Drechseln von Kugeln. Dabei entstanden interessante Fachgespräche über viele Bereiche unseres Hobbys.

 

 

Auch die Verpflegung kam nicht zu kurz. Die von fleißigen Händen geschmierten Brötchen, der frische Kaffee, Kartoffelsalat und Würstchen und ein Stück Kuchen wurden gern angenommen. Am Nachmittag startete dann die zweite Vorführung von Holger Graf. Dieses Mal war es eine kleine Dose aus abgelagerter Kirsche mit einem Deckel aus Grenadille. Auch diese Vorführung lief ab wie am Vormittag. Mit ausführlichen Erläuterungen, gekonnter Werkzeugführung und sauber herausgearbeitetem Endergebnis.

Der Sonntagmorgen war den Stammtischmitgliedern vorbehalten, die bis auf wenige abgemeldete vollzählig erschienen waren. Zur Überraschung der Hauptorgansitoren Heiner Hellmann und Randolf Pohl gab es zu Beginn von Sönke Rusch eine Dankesrede für die in den zurückliegenden 5 Jahren geleistete Arbeit sowie ein kleines Präsent. Das war eine gelungene Überraschung, für die sich beide herzlich bedankten.

In der anschließenden Vorführung hat Holger Graf eine tiefe Querholzschale aus frisch geschlagenem Kirschholz hergestellt. Da die meisten Mitglieder am Vortag nicht anwesend waren, erläuterte er noch einmal anschaulich seine Arbeitsweise und führte sie entsprechend vor. Auch die Handhabung der Werkzeuge bei den verschiedenen Schnitten und andere Kniffe und Tipps kamen dabei nicht zu kurz.

Nach Abschluss der Vorführung war die Halle für Publikum anlässlich des dort stattfindenden verkaufsoffenen Sonntags für ein öffentliches Schaudrechseln an den einzelnen Arbeitsinseln geöffnet. Interessiert verfolgte bald eine ganze Anzahl von Zuschauern die Arbeit an den Maschinen, es ergaben sich eine Menge guter Gespräche und das eine oder andere Stück wechselte dann auch seinen Besitzer.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die Besucher mit dem Gebotenen sehr zufrieden waren und nicht mit Lob und Anerkennung für die geleistete Arbeit sparten. Auch dass wir uns als Vorführer den durch seine Kurse und durch das DrechslerMagazin bekannten Drechslermeister Holger Graf „geleistet haben“, wie ein Gast hinterher per Mail lobend erwähnte, fand durchweg große Anerkennung.

Autor: Randolf Pohl

Dieser Artikel ist in DrechslerMagazin-Ausgabe 25 / Winter 2013 erschienen.

 

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