Porträt & Reportagen


Kreiselmacher Armin Kolb


11.00 Uhr vormittags. Das Thermometer zeigt 26 Grad an. Ich bin froh über diesen schattigen Platz auf der Veranda. Draußen herrscht absolute Bewegungsstille, nur hin und wieder weht eine leichte Brise durch die Bäume. Mein Blick streift über leichtes Hügelland, kleine Weinberge und handtuchgroße Felder, die von den Einheimischen bewirtschaftet werden. Bin ich im Auenland? Nein – keineswegs. Ich bin in Slowenien. Hier hat sich Armin Kolb vor drei Jahren ein kleines Bauernhäuschen gekauft und renoviert es seitdem. Es ist seine Wahlheimat, hier entsteht sein Sommeratelier.

 

Als ich das Haus betrete, sehe ich – Kreisel. Aus allen erdenklichen Materialien, in allen erdenklichen Formen. Es sind Prototypen, Muster – sorgsam aufgereiht. Sie zeigen Entwicklungen, Tendenzen, Versuche. Seltsam, so frage ich mich – wie kann es sein, dass man sein Drechslerhandwerk ausschließlich auf ein Kinderspielzeug richtet? Ich werde aufgeklärt: Dass der Kreisel zu einem einfachen Kinderspielzeug degradiert wurde, ist ein eher spätmodernes Phänomen. Noch vor rund 200 Jahren galt das Kreiseln als Glücksspiel unter Erwachsenen und lockte so manch einem das Geld aus der Tasche. Geht man kulturgeschichtlich noch weiter zurück, werden dem Kreisel sogar mystisch-divinatorische Eigenschaften zugesprochen: man ging davon aus, dass der Kreisel, während er rotiere, in der Lage sei, Verbindung zur Geisterwelt aufzunehmen und auf diese Weise die Geschicke eines Volkes beeinflussen könne.

 

 

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Faszination der Rotation – jenes Eigenleben, das der Kreisel führt, sobald man ihn in Bewegung versetzt hat – die Menschen auf der ganzen Welt seit Alters her zu faszinieren scheint. Aber, trotz aller Popularität, steht bis heute nicht eindeutig fest, wo und unter welchen Umständen der Kreisel seine ersten Drehungen vollzogen hat. Es bleibt bei Spekulationen.

 

Die Beschäftigung mit dem Kreisel war es schließlich auch, die Armin Kolb damals an die Drechselbank geführt hat. Dies ist nun beinahe 30 Jahre her und seitdem dreht sich in seiner Werkstatt alles um dieses kleine Phänomen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Angetan vom Drechseln – jenem „Zaubern in Holz“ – wie Armin sagt, folgten Jahre des Übens und Experimentierens. Für ihn stand dabei immer im Vordergrund, den Kreisel nicht nur als einfaches Kinderspielzeug zu verstehen, sondern ihm darüber hinaus eine ästhetisch anspruchsvolle Qualität zu verleihen, um ihn auf die Weise auch den Erwachsenen wieder zugänglich zu machen.


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In DrechslerMagazin Ausgabe 20 / Herbst 2012 lesen und sehen Sie den kompletten Artikel zu Armin Kolb und seinen außergewöhnlichen Kreiseln.

 

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