Praxis

 

Guillochieren
Artikel von Jan Hovens

 

Der Mensch hatte schon immer das Bedürfnis, Gebrauchsgegenstände so zu gestalten, dass diese auch dem Betrachter gut gefallen und nicht nur zweckdienlich sind. Grundsätzlich könnte man auch einfach auf einem Holzklotz sitzen und von einem einfachen Brett oder aus einem Napf essen. Bei allem was uns umgibt, gilt jedoch sprichwörtlich: Das Auge isst mit. Wir fühlen uns in einer schönen Umgebung wohler und so versuchen wir, unsere Dinge des täglichen Gebrauchs mit mehr oder weniger Erfolg bzw. nach persönlichem Geschmack zu gestalten und auszuwählen. So auch bei der Herstellung von gedrechselten Objekten und Gebrauchsgegenständen. Dieses Bedürfnis nach Gestaltung ist schon sehr alt, das zeigt eine Vielzahl von Drechselarbeiten in historischen Museen mit unterschiedlichste Dekorationen. Aufwand und Stil solcher Gestaltungselemente sind natürlich auch stark von der Epoche abhängig, aus der eine Arbeit stammt. Je nach Zeiltalter wurde mehr oder weniger dekoriert und nichts ändert sich so schnell, wie der Geschmack des Menschen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde mit Dekorationen und Verzierungen nicht gespart und in dieser Zeit sind auch sehr aufwändig gedrechselte Arbeiten entstanden. Arbeiten, die nach damaligem technischen Stand eine große Herausforderung bedeuteten. Der Adel, überwiegend an deutschen Höfen, aber auch in Frankreich, Dänemark und Schweden, beschäftigte sich mit dem Kunsthandwerk und es gehörte zur Etikette, sich mit dem Drechseln und der damit verbundenen Technik und den gerade entwickelten Maschinen auseinanderzusetzen. Schließlich war es nicht selten auch ein Wettstreit unter den einzelnen Höfen, wer die aufwändigste und technisch schwierigste Arbeit herstellen oder vielmehr vorzeigen konnte. Fürsten und Adlige, die sich dies leisten konnten, drechselten nicht nur selbst, sondern hatten auch professionelle Drechsler und Handwerker beschäftigt, die ihnen an den Drechselbänken behilflich waren und häufig auch die benötigten Vorrichtungen für sie bauten. Es ist bekannt, dass Peter der Große (1672–1725, Russland) ein leidenschaftlicher Drechsler war und bei seiner Arbeit von dem bekannten und technisch sehr begabten Andrei Nartov unterstützt wurde. Gleich über drei Generationen erstreckte sich das drechslerische Geschick der Familie Teuber. Martin Teuber (damals noch Täuber) wurde der „Drechsler mit der silbernen Hand“ genannt. Mag man den geschriebenen Werken seines Enkels Johann Martin Teuber glauben, so wurde Kaiser Ferdinand III. von Martin Teuber in Regensburg um das Jahr 1654 in der Drechselkunst unterwiesen. „Der Kaiser ließ ihm 100 Louis d’or (französische Goldmünzen) ausbezahlen, damit er die beim Laden eines Geschützes eingebüßte rechte Hand durch eine Prothese aus Silber ersetzen konnte“, und ihm somit weiterhin „seine Kunst alleruntertänigst aufzuwarten“. Auch der Enkel selbst unterrichtete viele deutsche Fürsten, aber auch Fürstinnen in der Drechselkunst und verfasste 1740 das erste umfassende deutschsprachige Drechselwerk, welches 1752 in der zweiten Auflage erschien. Dass diese Drechsler zu Hofe ein ruhmreiches Ansehen genossen, zeigt das Zitat aus Teubers eigenem Buch: „Wie künstlich drechseln nicht die hohen Herrn Gesandten, wie trefflich zeigt ihr Werck des hohen Geistes Licht. Sie übertreffen fast die Meister, die Sie kannten, nur den in dieser Kunst berühmten Teuber nicht.“