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Kleine Drechselbänke werden groß …
Midi-Drechselbank im Praxistest

 

Als vor rund zwei Jahrzehnten der australische Hersteller Vicmarc mit seiner VL100 die erste ernstzunehmende, solide Kleindrechselbank auf den Markt brachte, war kaum vorherzusehen, was für ein Boom daraus entstehen würde: Jet folgte bald mit seiner in Asien produzierten 1014; seither wird der Markt mit zahlreichen weiteren Nachahmerprodukten überschwemmt. Waren diese anfangs fast alle auf eine Spitzenhöhe von 100 mm beschränkt, so haben in den letzten Jahren verschiedene Hersteller das Segment zugleich solider und kompakter Kleindrechselbänke deutlich nach oben erweitert: Beispielsweise ist die Steinert Piccolo aus deutscher Fertigung mittlerweile mit Spitzenhöhen bis zu 180 mm zu haben. Jet bietet seit einigen Jahren mit der 1220 eine vergrößerte Kopie der in vielen Hobbydrechslerwerkstätten bewährten 1014 mit immerhin 150 mm Spitzenhöhe an, ebenso viel wie die jüngste, 2012 auf den Markt gekommene Neuentwicklung aus dem Hause Vicmarc. Vor kurzem hat nun auch Drechselbedarf Schulte aus Meppen seine „Midi-Drechselbank“ auf den deutschen Markt gebracht, die mit ihren 42 kg gerade noch – im wahrsten Sinn des Wortes – tragbar ist, trotzdem aber die für eine Drechselbank der Kompaktklasse beachtliche Spitzenhöhe von 175 mm und eine Spitzenweite von 350 mm erreicht.

Schultes Midi-Drechselbank unterscheidet sich nicht nur in der Spitzenhöhe von den meisten anderen auf dem deutschen Markt erhältlichen Kleindrechselbänken, sondern noch in zwei weiteren, ganz wesentlichen Punkten: Zum einen verfügt die Midi-Drechselbank über eine elektronische stufenlose Drehzahlregelung. Das alleine wäre so neu nicht – diese in der Praxis sehr hilfreiche Ausstattung besitzen auch die Maschinen anderer Hersteller bzw. Händler. Im Gegensatz zu vielen anderen Maschinen dieser Klasse ist aber Schultes Midi-Drechselbank als erste Kleindrechselbank asiatischer Provenienz auf dem deutschen Markt nicht mit einem 220-
V-Motor ausgestattet, der über eine Phasenanschnittsteuerung geregelt wird (eine Technik, bei der die Durchzugskraft des Motors bei sinkender Drehzahl deutlich nachlässt), sondern wie die meisten „großen“ Bänke oder auch wie die wesentlich teureren Vicmarc- und Steinert-Kleindrechselbänke mit einem über einen Frequenzumrichter geregelten Drehstrommotor mit satten 0,75 kW Ausgangsleistung (über den Frequenz-umrichter ist die Maschine natürlich trotz Drehstrommotor am normalen 220-V-Netz zu betreiben). Diese Technik verspricht wesentlich mehr Kraftreserven bei niedrigen Drehzahlen. Der Frequenzumrichter bietet zudem auch die Möglichkeit eines Drehrichtungswechsels, der zum Beispiel beim Schleifen fertig gedrehter Objekte sehr hilfreich sein kann. Wer mehr zu den Vorteilen eines solchen Antriebs wissen möchte, findet dazu umfassende Informationen im Artikel von Kai Köthe im DrechslerMagazin Nr. 3 / 2008.

 

Und dann ist da zum anderen noch das Spindelgewinde der Schulte-Midi: Alle anderen in Fernost produzierten Drechselbänke auf dem deutschen Markt werden mit einem 1-Zoll-Gewinde ausgeliefert. Das schafft für viele Drechsler Probleme, die noch eine größere Bank besitzen: Diese sind oft mit dem in dieser Kategorie gängigeren M33-Gewinde ausgestattet. Sprich, diese Drechsler müssen entweder bei der Anschaffung einer Kleindrechselbank aus Fernost-Fertigung noch weitere Spannfutter mit 1-Zoll-Gewinde anschaffen oder mit Adaptern arbeiten, die leicht für Ungenauigkeiten im Rundlauf sorgen. Drechselbedarf Schulte hat dieses Problem erkannt und lässt seine neueste Bank mit einer Spindelwelle mit M33-Gewinde ausrüsten, was so manchem Drechsler unnötige Folgekosten ersparen wird, weil er alles Zubehör seiner „Großen“ auch auf der „Kleinen“ nutzen kann. Das Spindelgewinde der Schulte-Midi weist zudem auch eine integrierte Ablaufsicherungsnut auf, in der die im Lieferumfang beigefügte Planscheibe, ebenso wie die bei vielen Drechslern sehr beliebten Spannfutter des britischen Herstellers Axminster, über Madenschrauben gesichert werden können und ein unbeabsichtigtes und gefährliches Ablaufen des Futters ebenso simpel wie wirkungsvoll verhindern. Fehlt eine solche Nut vor dem Zentrierbund wie bei den meisten anderen Fernost-Maschinen, drücken diese Madenschrauben auf das Spindelgewinde und können es beschädigen.