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Die Erfolgsgeschichte geht weiter
Ein Rückblick auf das Drechslertreffen in Bad Fallingbostel

„14.05.2015. Es ist Christi Himmelfahrt und ich nutze den morgigen Brückentag zum langen Wochenende und mache mich auf den Weg nach Bad Fallingbostel.“ So oder so ähnlich könnten Tagebucheinträge vieler Drechslerbegeisterter beginnen. Denn tatsächlich waren bereits einige hundert Drechsler aus dem gesamten Bundesgebiet ein bis zwei Tage vor Beginn des großen Drechslertreffens in Bad Fallingbostel angereist. Keiner wollte etwas verpassen, als am Samstag, den 16. Mai kurz vor 10 Uhr die Türen der Heidmark-Halle für Besucher geöffnet wurden. Die wenigsten von ihnen reisten für nur einen Tag an, denn das riesige Angebot an Informationen, Vorführungen und der Austausch unter gleichermaßen begeisterten Drechslern war schlichtweg nur in zwei Tagen halbwegs zu schaffen. Samstag und Sonntag boten die vielen Werkzeug-, Maschinen-, Zubehör- und Holzhändler ihre Waren an und auf keiner der großen Holzmessen Europas kann man sich mittlerweile so konzentriert und ausgiebig zum Thema Drechseln informieren wie beim Drechslertreffen. Diese Veranstaltung findet im zweijährigen Turnus statt und wurde bisher von regionalen Drechsler-Stammtischen organisiert und durchgeführt. Nach dem ersten Treffen im Jahr 2007 in München folgten Römerberg, Neu Anspach, Seeg im Allgäu und nun zum ersten Mal im Norden Deutschlands Bad Fallingbostel, 100 km südlich von Hamburg.  Der Drechslerstammtisch Weser-Elbe hatte hier die Organisation und die Hausherrschaft übernommen und war bestens vorbereitet. In einer großen Veranstaltungshalle fand man ausreichend Platz und die etwa 1.700 Besucher zeigten sich mehr als zufrieden. In der Halle zeigten Profis und ambitionierte Amateure Drechslertechniken wie Fadendrechseln, Schüsselstechen, Gewindestrehlen, Schalen- und Dosendrechseln, Oberflächengestaltung und vieles mehr. Auch waren einige nach historischem Vorbild nachgebaute Wippdrehbänke im Einsatz. Die Bandbreite reichte vom Miniaturendrechseln bis hin zu (in der Teilnehmergalerie gezeigten) Schalen mit über einem Meter Durchmesser. Besucher konnten ihre gedrechselten Arbeiten zu einem Wettbewerb einreichen und auch hier spiegelte sich die Vielfalt der Drechslerei. In diesem Jahr waren es allerdings nur 78 Objekte in der Ausstellung, deutlich weniger als noch vor zwei Jahren in Seeg. Scheinbar war vielen Drechslern im Vorfeld nicht klar bzw. bekannt, in welcher Kategorie und unter welchen Bedingungen sie teilnehmen konnten. Am Samstag wurden dennoch sehr schöne Arbeiten von einer Jury gefunden und abends mit Preisen ausgezeichnet. In der Kategorie „Gefäß“ erhielt Helmut Wersenger den ersten Platz für eine wellig geformte Kirschbaumschale. Jens Holtkamp wurde mit dem ersten Platz in der Kategorie „Gebrauchsgegenstände“ für einen edlen Kreisel belohnt und in der Gruppe der „Skulpturen“ konnte Kaspar Straub die Jury mit dem in beachtlicher Größe gefertigten Kugel-objekt „Gleichgewicht“ überzeugen. Auch das Publikum durfte einen Preis vergeben; dabei gab es gleich drei punktgleiche Objekte: einen reliefartig ausgearbeiteten Wandteller von Alfred Wiens, ein Pfeffermühlen-Set von Robert Dornstädter und ein Schachspiel von Michael Riethorst. Bei letzterem zeigte sich, dass das aufmerksame Lesen des DrechslerMagazins durchaus zum Erfolg führt, denn die Vorlage der Spielfiguren stammt aus einem Artikel unseres Autors Jan Hovens in Ausgabe 9 bzw. 10. Wir freuen uns mit den Preisträgern und möchten allen für die herausragenden Arbeiten gratulieren.

 

 

Während der größte Teil des Drechslertreffens in der Halle stattfand, wurde auch im Freigelände einiges geboten. Hier war neben dem Bewirtungszelt z. B. auch ein kleiner, aber feiner Markt von Drechselarbeiten eingerichtet. Da allerdings wenig Fremdpublikum anwesend war, hielt sich dort, trotz vieler sehr schöner Drechselarbeiten, das Kaufinteresse eher in Grenzen. Vielmehr stand auch hier der Austausch über die Techniken und Erfahrungen unter Gleichgesinnten im Vordergrund. Große Aufmerksamkeit erhielten jedoch vor der Halle die Vorführungen an einer Sägevorrichtung zum Auftrennen von Baumstämmen. Auch die Kauf- und Tauschangebote für Holz kamen bei den Besuchern offensichtlich sehr gut an. Aus Österreich wurde dafür u. a. eine mittlere LKW-Ladung Zirbe angeliefert und vor Ort nach Kundenwunsch abgelängt.

Rundum war auch das fünfte große Drechslertreffen ein enormer Erfolg für alle Beteiligten. Den Organisatoren darf dafür gedankt werden, denn der planerische Aufwand für eine Veranstaltung dieser Größenordnung zollen größten Respekt. Eine Aufgabe, die viel Mut und Idealismus erfordert, dennoch ist bereits schon wieder ein Ausrichter für 2017 gefunden. Erfreulicherweise hat sich der Drechselstammtisch Erzgebirge hierfür angeboten und offensichtlich laufen im Hintergrund bereits die ersten Vorbereitungen. Mit dem traditionellen Drechsler- und Holzspielzeugmacher-Ort Seiffen und dem Sitz der Firma Steinert im benachbarten Olbernhau bietet diese Region dafür ganz sicher die idealen Voraussetzungen. Den 6. und 7. Mai 2017 sollte man sich daher schon jetzt im Kalender vormerken.

Autor: Holger Graf


Dieser Artikel ist in DrechslerMagazin-Ausgabe 31 / Sommer 2015 erschienen.

 

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